Lunch with Axel Weber, 28.04.2010
Wenige Tage vor der Unterzeichnung des Abkommens zwischen der EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF mit Griechenland sprach beim Lunch des Ambassadors Club im Hotel Maritim vor über 40 Botschafterinnen und Botschaftern Prof. Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank. Professor Weber, der insbesondere in diesen Zeiten der Finanzkrise, und noch mehr seitdem die katastrophale Finanzlage Griechenlands bekannt geworden war, zu den meistgefragten Rednern der Bundesrepublik gehört, beeindruckte die versammelten Exzellenzen, darunter den französischen Botschafter Bernard De Faubournet De Montferrand und den italienischen Botschafter Michele Valensise, mit seiner Expertise, Erläuterungsgeschick, aber auch mit seinem hervorragenden Englisch und erfrischenden Charme – er ließ sich nicht anmerken, dass er kurz davor schon eine Rede bei der 66. Bankwirtschaftlichen Tagung der Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Thema „Geldpolitik und Perspektiven für den deutschen Kreditmarkt“ gehalten hatte.
Professor Weber sprach über den Anfang und die Entwicklung der aktuellen globalen Finanzkrise, die er als die größte Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnete, und bekräftigte die Notwendigkeit der Regierungsintervention in den USA und Europa um Banken zu retten, obwohl diese Aktion die Staatsverschuldung in mehreren Ländern erhöhte.
Nach dem neusten G20-Treffen sei es deutlich geworden, dass die Sorge um den weiteren Verlauf der Finanzkrise auch die Schwellenländer wie Brasilien oder Indien erreicht hätte. Regierungen dieser und anderer Länder müssten Lösungen für die Schlüsselprobleme auf den Wirtschafts- und Finanzmärkten finden. Hierzu gehörten insbesondere Strategien zur Begrenzung der Spekulation und zur fiskalischen Konsolidierung der Staatshaushalte sowie eine Ausstiegsstrategie aus den staatlichen Unterstützungsfonds für die Banken.
Der Präsident der Bundesbank sprach darüber, wie wesentlich die Sicherung von Finanzstabilität im Euroraum für alle Länder sei. Griechenland müsse das vom IWF konzipierte Programm akzeptieren und es rigoros durchführen, denn ein eventueller Zahlungsausfall Griechenlands würde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem gravierenden wirtschaftlichen Rückschlag für andere Länder der Währungsunion führen.
Die wichtigste Botschaft von Professor Weber war, dass aus dem Fall Griechenland gelernt werden müsse, Vorkehrungen zu treffen, die ein wiederholtes Auftreten einer solchen Situation verhinderten. Wesentlich dabei sei, Änderungen und Ergänzungen des fiskalischen Regelwerks durchzuführen, die den Stabilitäts- und Wachstumspakt sichern würden. In diesem Sinne sei es für alle Euroländer ratsam, mit Haushaltsüberschüssen in guten Zeiten zukunftsorientiert umzugehen – was Griechenland zu tun verpasst hatte - und Schuldenstände zu reduzieren.
Nach dem Mittagessen kam es zu einer spannenden Gesprächsrunde, in der einige Botschafterinnen und Botschafter ihre Erfahrungen mit wirtschaftlicher Krise schilderten, wie der Botschafter Argentiniens Guillermo Nielsen, oder weitere Fragen zur Auswirkung der Krise stellten, wie die Botschafterin Malis Fatoumata Sire Diakite, der slowenische Botschafter Mitja Drobnic, der Botschafter Mosambiks Carlos Dos Santos und Sudhir Vyas, der Botschafter Indiens.
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